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Spendenentwicklung trotzt der Pandemie – Deutsche bleiben solidarisch

26.11.2020

Berlin, 26. November 2020 – Die Deutschen haben von Januar bis September 2020 rund 3,3 Milliarden Euro gespendet. Das ist das zweitbeste Ergebnis seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Spendenniveau damit sogar um 1,6 % gestiegen. Die Prognose für das Gesamtjahr sieht - unter dem Vorbehalt der weiteren Pandemieentwicklung - gut aus. Das sind Ergebnisse der GfK-Erhebung „Trends und Prognosen“, die jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats durchgeführt wird.

Rund 15,6 Millionen Menschen haben im Zeitraum Januar bis September 2020 Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet. Die Spenderzahl ist damit im Vergleich zum gleichen Betrachtungszeitraum 2019 relativ stabil geblieben, der prozentuale Anteil der Spender an der Bevölkerung ist sogar erstmals seit 2015 wieder gestiegen. Dr. Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats e.V.: „Es ist so erstaunlich wie erfreulich, dass sich der Trend der letzten Jahre, dass immer weniger Menschen spenden, gerade im Pandemiejahr 2020 fast zum Stehen kommt.“

Trotz Coronapandemie steigt das Spendenvolumen sogar leicht

Der Betrag der durchschnittlichen Spende pro Spendenakt liegt mit 37 Euro auf dem höchsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Die durchschnittliche Spendenhäufigkeit pro Spender blieb mit einem Wert von 5,7 ebenfalls auf einem sehr guten Niveau. Beide Faktoren sorgen maßgeblich für die positive Entwicklung des Gesamtspendenvolumens, welches gegenüber dem Vergleichszeitraum Januar 2019 bis einschließlich September 2019 um 1,6 % stieg. „Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund der noch immer andauernden Pandemielage kaum positiv genug zu bewerten“, sagt Wolfgang Stückemann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrates.

Hauptanteil der Spenden stellt mit 75 % weiterhin die humanitäre Hilfe, wofür maßgeblich Not- und Katastrophenhilfe verantwortlich ist, die im diesjährigen Betrachtungszeitraum kräftige Spendensteigerungen verbuchen kann. Die sonstige humanitäre Hilfe, also insbesondere die langfristige Entwicklungshilfe, Bildung und sonstige soziale Zwecke, zeigt ebenso Zuwächse.

Mehr gespendet haben die Deutschen vor allem für den Tierschutz (plus 76 Mio. Euro) und die Kultur- und Denkmalpflege (plus 25 Mio. Euro). Der Umwelt- und Naturschutz blieb relativ stabil (minus 3 Mio. Euro), während der Sport deutliche Verluste zu verzeichnen hatte (minus 71 Mio. Euro).

Internationale Projekte wurden wieder stärker unterstützt. Ihr Anteil stieg von 38 % auf 43 %. Im Gegenzug sank die Unterstützung nationaler Projekte um 6 %. Lokale Projekte verzeichneten eine stabile Unterstützung (plus 1 %).

Eine deutliche Trendumkehr zeichnete sich im Bereich der Geldspenden für Flüchtende ab. Hier stieg das Spendenvolumen gegenüber dem Betrachtungszeitraum 2019 um ganze 58 % (von 188 Mio. Euro auf 297 Mio. Euro). Dem lag eine Steigerung der Spendenden (plus 12 %), eine höhere Spendenhäufigkeit pro Spender (plus 17 %) und eine höhere Durchschnittsspende (plus 22 %) zugrunde. Der Geschäftsführer des Spendenratsmitglieds UNO-Flüchtlingshilfe, Peter Ruhenstroth-Bauer sagt: Immer mehr Deutschen wird die Situation der fast 80 Millionen flüchtenden Menschen weltweit bewusst. Wir sind sehr dankbar, dass die Deutschen gerade auch in der Coronakrise an diese Menschen denken und helfen.“

Spenden nach Altersgruppen

Nach wie vor spendet die Generation 70plus am meisten. Ihr Anteil am Gesamtspendenvolumen stieg sogar von rund 41 % auf knapp 43 % und das, obwohl die Zahl der Spendenden in dieser Altersgruppe um 244 Tsd. schrumpfte. Die in der Altersgruppe verbliebenen Spender und Spenderinnen erhöhten ihr durchschnittliches Spendenvolumen deutlich von 255 € auf 288 €.

Erfreulicherweise erhöhte sich die Anzahl der Spendenden in den Altersgruppen 30 bis 39 Jahre (plus 93 Tsd.), 40 bis 49 Jahre (plus 56 Tsd.) und auch 60 bis 69 Jahre (plus 108 Tsd.) gegenüber dem Vorjahresbetrachtungszeitraum, auch wenn in diesen Altersgruppen mit Ausnahme der Gruppe 60 bis 69 Jahre das durchschnittliche Spendenvolumen jeweils sank.

Dr. Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrates e.V. warnt: „Die für das Gesamtspendenaufkommen sowieso schon enorm wichtige Altersgruppe 70+ setzt sich weiter ab. In Anbetracht der offensichtlichen demografischen Entwicklungen ist dies sicherlich ein Fingerzeig auf die zukünftigen Spendenentwicklungen. Es ist deshalb zu hoffen, dass sich die steigenden Spenderzahlen in den jüngeren Altersgruppen verstetigen.“

Prognose: 2020 wird ein erfolgreiches Spendenjahr

Unter dem Vorbehalt der weiteren pandemischen Entwicklung ist zu erwarten, dass das Spendenvolumen auch in diesem Jahr wieder bei deutlich über 5 Mrd. Euro und bei leichten Steigerungen in etwa gleich hoch wie im letzten Jahr liegen wird.

Zur Erhebung

Die „Bilanz des Helfens“ wird von der GfK, einem weltweit führenden Anbieter von Daten und Analytik, im Auftrag des Deutschen Spendenrats e.V. durchgeführt. Sie ist ein Teilergebnis der Studie GfK Charity Panels, die auf kontinuierlichen schriftlichen Erhebungen bei einer repräsentativen Stichprobe von 10.000 Panelteilnehmern basiert. GfK Charity Panels ermittelt fortlaufend Daten zum Spendenverhalten von privaten Verbrauchern in Deutschland. Unter anderem werden Spendenvolumen, Spendenhöhe und bevorzugte Tätigkeitsbereiche abgefragt. Als Spende zählen die von deutschen Privatpersonen freiwillig getätigten Geldspenden an gemeinnützige Organisationen, Hilfs- sowie Wohltätigkeitsorganisationen und Kirchen. Nicht enthalten sind Erbschaften und Unternehmensspenden, Spenden an politische Parteien und Organisationen und gerichtlich veranlasste Geldzuwendungen, Stiftungsneugründungen und Großspenden über 2.500 Euro.

Weitere Informationen:
Dr. Max Mälzer, Deutscher Spendenrat e.V.

T: +49 30 467 05 200, +49 (0) 151 – 40 90 4952, maelzer@spendenrat.de

Bianca Corcoran-Schliemann, GfK

T: +49 911 395 3883, bianca.corcoran-schliemann@gfk.com

Zum Deutschen Spendenrat e.V.

Seit 25 Jahren setzen sich die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrats e.V. für die Stärkung von Transparenz im deutschen Spendenwesen ein. Der Deutsche Spendenrat ist ein gemeinnütziger Dachverband von 71 Spenden sammelnden, gemeinnützigen Organisationen aus den Bereichen soziale und humanitäre Hilfe, Umwelt und Tierschutz, Kunst- und Kultur sowie Denkmalschutz. Mitglieder sind u.a. Deutsches Rotes Kreuz e.V. Bundesverband, Arbeiter-Samariter-Bund, Maltester Hilfsdienst, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Bethel, Aktion Deutschland Hilft, Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Die Mitgliedsorganisationen setzen jährlich ein Geldspendenvolumen von über einer Mrd. Euro ein. Der Deutsche Spendenrat e.V. vertritt diese gegenüber der Öffentlichkeit sowie staatlichen, politischen und privaten Gremien. Die Mitglieder verpflichten sich, keine sittenwidrige Werbung einzusetzen und hohe Qualitätsstandards einzuhalten. Unter anderem sind Strukturen, Tätigkeit und Finanzen im Rahmen eines Jahresberichts jährlich und transparent offenzulegen. Verbraucher können sich beim Deutschen Spendenrat Informationen und Tipps für sicheres Spenden einholen. Seit dem Frühjahr 2017 verleiht der Deutsche Spendenrat e.V. erstmals ein Spendenzertifikat an Mitgliedsorganisationen. Das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. ist das einzige Prüfverfahren in Deutschland, bei dem externe Wirtschaftsprüfer die Qualitätskontrolle des Spendenzertifikats übernehmen.

Weitere Informationen über den Spendenrat finden Sie unter www.spendenrat.de.

Die Studie zum "Spendenjahr 2020: Trends + Prognose" können Sie hier herunterladen:

Trends_und_Prognosen_2020.pdf