Studie Bilanz des Helfens



Bilanz des Helfens 2020

03.03.2020

Die Zahl der Spender/innen fällt im Jahr 2019 erstmalig unter die Marke von 20 Mio.

Berlin, 03. März 2020 – Die Deutschen haben Im Kalenderjahr rund 5,1 Milliarden Euro gespendet. Das ist das fünfbeste Ergebnis seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Spendenniveau jedoch um 3,6% gesunken. Damit wurde selbst die pessimistische Prognose für das Gesamtjahr 2019 (minus 1,3%) noch unterboten. Das sind Ergebnisse der GfK-Studie „Bilanz des Helfens“, die jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats durchgeführt wird.

Rund 19,5 Millionen Menschen haben im Kalenderjahr 2019 Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet, was nur noch 29,1% der Bevölkerung entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr waren das etwa 1 Mio. Menschen weniger. Dies ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Dr. Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats e.V. warnt: „Der Trend der letzten Jahre, dass immer weniger Menschen spenden, zeigt sich immer dramatischer. Noch halten sich die Auswirkungen auf das gesamte Spendenvolumen in geordneten Bahnen. Zukünftig ist jedoch leider mit erheblich sinkenden Volumina zu rechnen.“

Spendenvolumen sinkt

Der spendenreichste Monat Dezember ist dabei u.a. maßgeblich für den Rückgang des Gesamtspendenvolumen mitverantwortlich. Gegenüber dem Vorjahr brachen die Spendeneinnahmen im Dezember 2019 um ganze 15% ein. Allein dieser monatliche Rückgang sorgt dafür, dass der Dezember 2019 2 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau liegt.

Der Betrag der durchschnittlichen Spende pro Spendenakt liegt 2019 gegenüber dem Vorjahr ein Euro niedriger, jedoch bei immer noch sehr guten 37 Euro. Die durchschnittliche Spendenhäufigkeit pro Spender stieg sogar auf einen neuen Rekordwert von sieben. Beide Faktoren sind zusammen maßgebliche Garanten für das insgesamt immer noch als stabil zu bezeichnende Gesamtspendenvolumen, welches im Kalenderjahr 2019 um 3,6% fiel.

Hauptanteil der Spenden stellt mit 75,3% weiterhin die humanitäre Hilfe, welche gegenüber dem Vorjahr (73,7%) im rückläufigen Spendenmarkt anteilsmäßig sogar zulegt. Stärkste Gewinner sind dabei die Not- und Katastrophenhilfe und die Hilfe für Krankheit und Behinderung. Die sonstige humanitäre Hilfe, also insbesondere die langfristige Entwicklungshilfe, muss hingegen Spendenrückgänge hinnehmen.

Außerhalb der humanitären Hilfe verbucht ansonsten nur der Bereich Umwelt und Naturschutz einen kleinen Zuwachs in absoluten Zahlen (4 Mio. Euro). Die Bereiche Kultur- und Denkmalpflege (minus 5 Mio. Euro), Sport (minus 19 Mio. Euro) und Tierschutz (minus 7 Mio. Euro) verlieren in absoluten Zahlen.

Im Bereich der konfessionellen Organisationen, welche insgesamt mit einem sinkenden Spendenmarkt zu kämpfen haben, zeigt sich ein geteiltes Bild. Während evangelische Organisationen einen leicht steigenden Anteil am Gesamtmarkt verbuchen können (plus 0,4 Prozentpunkte), fällt der Anteil der Einnahmen katholischer Organisationen (minus 2 Prozentpunkte). Die Top 25 nicht konfessionellen Organisationen setzen ihre bereits in den letzten Jahren erkennbare Steigerung am Anteil der Gesamtspendeneinnahmen fort (25,6% auf 30,1%).

Spenden nach Altersgruppen

Nach wie vor spendet die Generation 70plus am meisten. Ihr Anteil am Gesamtspendenvolumen stieg sogar deutlich von 37,4% auf 40,8%. Auch der Anteil der Spender in der Altersgruppe liegt mit 49,5% weit über den anderen Altersgruppen. In der Betrachtung des durchschnittlichen Spendenvolumens pro Spender liegt diese Altersgruppe mit 344 Euro pro Spender ebenso, wenn auch knapp vor der Altersgruppe 40 – 49 Jahre (320 Euro pro Spender).

Dr. Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrates e.V. warnt: „Die Altersgruppe 70+ setzt sich damit in fast jeder Analyse von den anderen Altersgruppen ab. In Anbetracht der offensichtlichen demografischen Entwicklungen ist dies ein deutlicher Fingerzeig auf die zukünftigen Spendenentwicklungen.“

Positiv angemerkt werden muss, dass der Anteil der Spender in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahren steigt (plus 1,5 Prozentpunkte), während der Anteil in allen anderen Altersgruppen, teils sogar deutlich (minus 4,2 Prozentpunkte in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre) sinkt.

Zur Studie

Die „Bilanz des Helfens“ im Auftrag des Deutschen Spendenrats e.V. ist ein Teilergebnis der Studie GfK Charity Panel, die auf kontinuierlichen schriftlichen Erhebungen bei einer repräsentativen Stichprobe von 10.000 Panelteilnehmern basiert. GfK Charity Panel ermittelt fortlaufend Daten zum Spendenverhalten von privaten Verbrauchern in Deutschland. Unter anderem werden Spendenvolumen, Spendenhöhe und bevorzugte Tätigkeitsbereiche abgefragt. Als Spende zählen die von deutschen Privatpersonen freiwillig getätigten Geldspenden an gemeinnützige Organisationen, Hilfs- sowie Wohltätigkeitsorganisationen und Kirchen. Nicht enthalten sind Erbschaften und Unternehmensspenden, Spenden an politische Parteien und Organisationen und gerichtlich veranlasste Geldzuwendungen, Stiftungsneugründungen und Großspenden über 2.500 Euro.

Weitere Informationen:

Bianca Corcoran-Schliemann, GfK, Tel: +49 911 395 3883, bianca.corcoran-schliemann@gfk.com
Dr. Max Mälzer, Deutscher Spendenrat e.V. Tel: +49 30 467 05 200, +49 (0) 171 – 40 90 4952, maelzer@spendenrat.de
 

Zum Deutschen Spendenrat

Seit 25 Jahren setzen sich die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrats e.V. für die Stärkung von Transparenz im deutschen Spendenwesen ein. Der Deutsche Spendenrat ist ein gemeinnütziger Dachverband von 68 Spenden sammelnden, gemeinnützigen Organisationen aus den Bereichen soziale und humanitäre Hilfe, Umwelt und Tierschutz, Kunst- und Kultur sowie Denkmalschutz. Mitglieder sind u.a. Deutsches Rotes Kreuz e.V. Bundesverband, Arbeiter-Samariter-Bund, Maltester Hilfsdienst, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Bethel, Aktion Deutschland Hilft, Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Die Mitgliedsorganisationen setzen jährlich ein Geldspendenvolumen von über einer Mrd. Euro ein. Der Deutsche Spendenrat e.V. vertritt diese gegenüber der Öffentlichkeit sowie staatlichen, politischen und privaten Gremien. Die Mitglieder verpflichten sich, keine sittenwidrige Werbung einzusetzen und hohe Qualitätsstandards einzuhalten. Unter anderem sind Strukturen, Tätigkeit und Finanzen im Rahmen eines Jahresberichts jährlich und transparent offenzulegen. Verbraucher können sich beim Deutschen Spendenrat Informationen und Tipps für sicheres Spenden einholen. Seit dem Frühjahr 2017 verleiht der Deutsche Spendenrat e.V. erstmals ein Spendenzertifikat an Mitgliedsorganisationen. Das neue Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. ist das einzige Prüfverfahren in Deutschland, bei dem externe Wirtschaftsprüfer die Qualitätskontrolle des Spendenzertifikats übernehmen. Weitere Informationen über den Spendenrat finden Sie unter www.spendenrat.de

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Die "Bilanz des Helfens 2020" können Sie hier herunterladen:

Bilanz_des_Helfens_2020.pdf