Spenden – aber richtig!

Goldene Regel zum Spenden

In Deutschland wirbt eine Vielzahl an gemeinnützigen, mildtätigen und kirchlichen Organisationen um Spenden. Machen Sie sich daher Gedanken, welche Organisationen Sie unterstützen wollen und wofür diese sich einsetzen. Wem soll Ihre Spende zugute kommen? Welches Anliegen liegt Ihnen besonders am Herzen? Der Schutz von Kindern? Die Linderung von Armut? Entwicklungshilfe? Die Einhaltung von Menschenrechten? Die Förderung von Kultur? Der Umweltschutz? Die Bekämpfung von Krankheiten? Der Tierschutz? Die Belange und Anliegen, für die Sie sich mit Ihrer Spende einsetzen können, sind vielfältig. Suchen Sie sich daher Organisationen und Projekte aus, die zu Ihnen passen und die Ihnen eine Herzensangelegenheit sind.

Voraussetzung jeder Seriosität einer Organisation ist der Status der Gemeinnützigkeit. Dem Finanzamt obliegt die Kontrolle über die zweckgerichtete Geschäftsführung der gemeinnützigen Organisation und die Kontrolle über die Mittelverwendung. Eine weitergehende Qualitätskontrolle der Organisation findet von Gesetzes wegen nicht statt. Damit garantiert das zuständige Finanzamt zwar nicht eine umfassende Seriosität, der Status der Gemeinnützigkeit ist jedoch ein erstes wesentliches Indiz. Die Ergebnisse der Überprüfungen durch das Finanzamt unterliegen jedoch dem Steuergeheimnis, so dass es jeder Organisation selbst obliegt, über diesen Status Auskunft zu geben.

Seriöse Organisationen veröffentlichen hierzu entsprechende Informationen. Die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrats e.V. haben diesen zudem von der Schweigepflicht des Finanzamtes entbunden, so dass hier jederzeit zum Spendenbereich Nachfragen zum Status der Gemeinnützigkeit erfolgen können.

Mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit fördert die öffentliche Hand das gemeinnützige Engagement von Vereinen, Stiftungen und von Einrichtungen, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen. Von dieser Förderung profitieren diese Organisationen unter anderem dadurch, dass sie beim Finanzamt insbesondere von der Körperschaftssteuer befreit sind. Spender können Ihre Spende an eine als gemeinnützig anerkannte Organisation steuermindernd gelten machen. Dabei sollte die steuerliche Begünstigung fünf Jahre betragen.

Die Zahl der Spenden sammelnden Organisationen in Deutschland beläuft sich auf 616.154 (Quelle: ZiviZ-Survey 2012) und auch die öffentlichen Spendenaufrufe für gemeinnützige und wohltätige Zwecke haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Für die Spender ist es daher oftmals nicht leicht, sich einen Überblick in der Vielfalt der Spendenanliegen angesichts der großen Anzahl spendensammelnder Organisationen zu schaffen. Die meisten Organisationen können als seriös eingestuft werden, jedoch tummeln sich unter ihnen auch vereinzelt schwarze Schafe.

Informieren Sie sich daher zunächst nach Möglichkeit im Internet über die Organisation, für die Sie spenden wollen, oder bitten Sie, dass Ihnen Jahres- oder Geschäftsberichte und Informationen über Projektaktivitäten zugänglich gemacht werden. Auch Erfahrungsberichte und aktuelle Einschätzungen anderer Spender, die sich im Internet leicht recherchieren lassen, können Ihnen bei der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit einer Organisation hilfreich sein. Sie sollten sich auch willkommen und gut betreut fühlen, wenn Sie nachfragen.

Die Vertrauenswürdigkeit einer Organisation erkennen Sie daran, dass sie auf Wunsch aussagekräftiges Material über Aktivitäten und über die Organisation selbst zur Verfügung stellt. Hierzu gehört nicht nur die Auskunft über den aktuellen Status der Gemeinnützigkeit, sondern ebenso die regelmäßige, aktuelle Information über durchgeführte Projekte, als auch ein aussagekräftiger Jahresbericht in Druckform oder auf der Homepage. In ihm informiert die Organisation transparent, verständlich und wahrheitsgemäß über ihre Tätigkeit und relevante Finanzdaten z.B. durch Veröffentlichung der wesentlichen Daten des Jahresabschlusses, der mit Beteiligung eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers erstellt wurde. Die Organisation informiert dabei offen und transparent über Spendeneinnahmen und deren Verwendung. Zudem unterlässt sie aggressive, reißerische Werbung. Der Tätigkeitsbericht informiert dabei insbesondere über erbrachte Leistungen und Projektaktivitäten sowie über Entwicklungen und Tendenzen im Aufgabengebiet der Organisation und innerhalb der Organisation selbst. Leitungs- und Aufsichtsorgane sind getrennt und verhindern Interessenkollisionen bei den verantwortlichen und handelnden Personen. Personalstrukturen und wesentliche vertragliche Grundlagen und gesellschaftsrechtliche Verflechtungen werden ebenfalls veröffentlicht.

Mit einer Sachspende verbinden viele Menschen das Gefühl, Menschen in Not direkt und unmittelbar wirksam helfen zu können. Vielfach lassen sie sich auch von der Vorstellung leiten, eine Sachspende sei eine "persönlichere" Form des Spendens als die eher "anonyme" Geldspende. Dabei wird der logistische und finanzielle Aufwand im Umgang mit Sachspenden leicht unterschätzt: Transporte müssen organisiert und ggf. an weit entfernte Orte kostenintensiv versandt und verteilt, die Verwendbarkeit und Qualität der Spende muss geprüft werden, Brauchbares muss von Unbrauchbarem getrennt werden, Lagerkosten fallen an und so weiter.

Haben Sie daher Verständnis dafür, dass Sachspenden vor allem dann gern gesehen sind, wenn Organisationen gezielt zu ihnen aufrufen und Ihre Sachspenden dem im Spendenaufruf bestimmten Bedarf genau entsprechen, wie es bei schweren Unglücksfällen oder Katastrophen häufig der Fall ist. Generell bieten Geldspenden den Organisationen eine größere Flexibilität. Sie sind leichter zu handhaben und verursachen geringere Folgekosten. Sachmittel können oftmals wesentlich kostengünstiger im Land selbst erworben werden. Dies dient dem guten Zweck. Spenden Sie daher bevorzugt Geldspenden und vertrauen Sie auf das Knowhow, die Erfahrung und Effizienz der von Ihnen unterstützten Organisation in der bedarfsgerechten und zielgerichteten Beschaffung von Hilfsgütern!

Eine zweckgebundene Spende gibt zwar die Sicherheit, dass die Zuwendung genau für den bestimmten Zweck, wie z.B. für die Katastrophenhilfe in Nepal, eingesetzt wird. Andererseits engen zweckgebundene Spenden die Möglichkeiten des Helfens auch stark ein: Denn die Organisation darf eine zweckgebundene Spende nicht für andere Hilfszwecke verwenden. Zweckgebundene Spenden ziehen einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand nach sich, da die jeweiligen Ein- und Ausgaben in der Buchhaltung getrennt aufgeführt werden müssen. Außerdem kann es passieren, dass beispielsweise bei der Katastrophenhilfe zu viele Gelder für den gleichen Zweck gespendet werden oder dass der Verwendungszweck einer Spende zu eng festgelegt ist. Im ungünstigsten Fall sind diese Spendengelder dann lange Zeit blockiert oder müssen sogar rücküberwiesen werden – auch wenn Ihre Spende in der Zwischenzeit an anderer Stelle umso dringender benötigt wird.

Zweckgebundene Spenden sollten daher wie Sachspenden die Ausnahme bleiben und besonders bei konkreten Aufrufen erfolgen.

Mit einer Zweckbindung engen Sie die Flexibilität und die Hilfsmöglichkeiten der Organisation, die Sie unterstützen wollen, stark ein. Bringen Sie der Organisation Ihres Vertrauens daher auch das Vertrauen entgegen, dafür sorgen zu können, dass Ihre Spende ihre Wirkung am besten entfalten kann. Sie besitzt die notwendige Erfahrung, das Geld dort einzusetzen, wo es am nötigsten gebraucht wird, und sie verfügt über Experten, die dafür Sorge tragen, dass Ihre Spende dem Anliegen, für das Sie spenden, in bestmöglicher Weise zugute kommt. Verzichten Sie, daher wenn möglich, auf eine Zweckbindung.

Beim aufdringlichen Rasseln mit der Sammelbüchse oder bei Spendensammlern, die Sie an Ihrer Haustür oder auf der Straße zu schnellem Handeln nötigen, sollten Sie sehr skeptisch sein, wenn Ihnen die Sammler nicht persönlich bekannt sind. Auch wenn Sie mit drastischen oder schockierenden Bildern konfrontiert werden oder Ihnen extrem gefühlsbetontes und plakatives Werbematerial zugeschickt wird, das bei Ihnen ein schlechtes Gewissen hervorrufen soll, spricht dies gegen die Seriosität der Organisation. Seriöse Organisationen setzen auf aussagekräftige Informationen und versuchen nicht, Sie zu überreden. Sie lassen Ihnen auch die Zeit, die Sie benötigen, um Ihre Entscheidung zu treffen, und unterlassen aggressive Werbung. Denn sie wissen: Eine Spende ist eine freiwillige Form des Gebens und sie sollte aus eigenem Entschluss heraus und frei von Zwang getätigt werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Arbeit von gemeinnützigen Organisationen zu unterstützen: Vertraglich verpflichtendes regelmäßiges Spenden, in Form einer Fördermitgliedschaft kann helfen, der Organisation die Möglichkeit zu eröffnen, längerfristig mit den eingehenden Geldern Hilfsprojekte zu planen, um auch im Notfall schnell einsatzbereit zu sein. Fördermitglieder sind zwar verpflichtet, Mitgliedsbeiträge zu zahlen, erhalten im Gegensatz zu ordentlichen Mitgliedern aber kein Stimm- und/oder kein Wahlrecht. Da es sich hier um ein längerfristiges Engagement seitens des Spenders handelt, sollte hier vor Unterschriftsleistung zum Abschluss einer Fördermitgliedschaft auch immer auf die Kündigungsmöglichkeiten bzw. ein Widerrufsrecht geachtet werden.